Brief der BVMJ an Wolfgang Weimer, den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
Protest gegen die drohende Abberufung von Tricia Tuttle als Berlinale-Intendantin
Sehr geehrter Herr Dr. Weimer,
mit großer Verwunderung und Sorge verfolgen wir die Diskussionen um die Berlinale und ihre Intendantin Tricia Tuttle.
Mit der Abberufung würde das Ansehen der Berlinale und der gesamten Kulturlandschaft Deutschlands nachhaltig beschädigt werden.
Filmfestivals feiern das Kino und den Film in all seinen Facetten. Sie ziehen Tausende Menschen in ihren Bann, die fremde Kulturen vorurteilsfrei kennenlernen wollen. Niemand muss die ausgewählten Filme mögen oder deren Inhalt kritiklos gutheißen. Doch jeder und jede sollte andere Meinungen tolerieren und sich argumentativ mit ihnen auseinandersetzen.
Die Berlinale war in diesem Kontext stets ein besonderer Ort der künstlerischen und politischen Auseinandersetzung mit der Filmkunst und der Gesellschaft sowie des freien Meinungsaustausches und des Diskurses. Tricia Tuttle hat diese Freiheit stets verteidigt.
Es ist vorrangige Aufgabe der Politik, diesen Raum mir ihr zu schützen. Die Autonomie der Berlinale und aller künstlerischen Institutionen ist nicht verhandelbar.
Wir erinnern Sie in diesem Kontext an Ihre eigenen Worte in der Süddeutschen Zeitung“ zu den Angriffen auf die Kunst- und Meinungsfreiheit: „Die liberale Antwort auf diese Entwicklung lautet, keinen politischen Einfluss nehmen, sondern, ganz im Gegenteil, die Freiheit der Kunst zu verteidigen. Die Korridore des Sagbaren, Erkundbaren und Darstellbaren möglichst weiten, anstatt sie zu verengen.“
Wir fordern Sie daher auf, sich vor Tricia Tuttle zu stellen und sie und damit die Berlinale weiter zu unterstützen.
Berufsvereinigung deutscher Medienjournalisten e.V. BVMJ
Der Vorstand
Ingrid Beerbaum, Dr. Andrea Dittgen, Katharina Dockhorn, Susanne Gietl
