Preisregen bei den 60. Internationalen Hofer Filmtagen
„Paradaeisa“ von Marleen Valien wurde gleich zwei Mal bei den 60. Hofer Filmtagen 2026 von der Filmkritikerjury unter Beteiligung der BVMJ prämiert – als bester Film und als beste Produktion.
Jurybegründung:
Was bedeutet es, erwachsen zu werden? Woran orientiert sich ein junger Mensch, wenn nicht an den eigenen Eltern? Die Familie legt den Grundstein für unsere Beziehungen und unser Verständnis der Welt. Doch was, wenn einem Kind diese grundlegende Sicherheit früh genommen wird? Aus einer zunächst absurden Idee entwickelt Regisseurin Marleen Valien in „Paradaeisa“ ein existenzielles Drama über das Erwachsenwerden. Im Mittelpunkt steht die Teenagerin Lou, die ihren Künstlervater für seine ausufernde Exzentrik und Kreativität bewundert. Zugleich erlebt sie, wie ihr älterer Bruder sich gegen die prekären Lebensbedingungen der Familie auflehnt.
Die Jury überzeugt, dass der Film seiner jungen Hauptfigur von Anfang an zutraut, Widersprüche auszuhalten. Die junge Darstellerin Rada Rae verleiht Lou eine berührende Lebendigkeit und bringt zugleich die Tragweite der existenziellen Fragen zum Ausdruck. Ihre Überforderung und Suche nach Halt werden ebenso spürbar wie die Brüchigkeit der Welt, an der sie sich orientiert. Es ist diese eindrucksvolle schauspielerische Leistung, die den Film trägt. „Paradeisa“ bewegt sich elegant zwischen Komödie und Coming-of-Age-Drama. Der spielerische und zugleich reduzierte Einsatz von Animation macht Lous Gefühlswelt sichtbar, ohne sie zu banalisieren. Dazu kommt eine eigenständige Bildsprache, die den Film formal prägt. Für die originelle Filmidee, die überzeugende Figurenzeichnung und die gelungene Verbindung von Animation, Humor und Tragik – und nicht zuletzt für den eigenständigen filmischen Ausdruck, mit dem die existenzielle Erfahrung einer jungen Protagonistin erfahrbar wird – verleihen wir Regisseurin Marleen Valien der Hofer Kritiker Preis für den Langspielfilmdebut.
Die Jury würdigt ebenso die Entschlossenheit des Produzententeams Daniel Reich und Christoph Holthof von kurhaus production Film & Medien sowie Tristan Schneider, die der jungen Regisseurin den Freiraum gegeben haben, ihre Vision zu verwirklichen. Ihr Engagement steht zugleich für ein ambitioniertes, frisches Filmschaffen und den Glauben an die Zukunft des deutschsprachigen Autorenkinos.
Der Hofer Kritiker Preis wird an ein Langspielfilmdebüt aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz vergeben. Mit der Auszeichnung werden ein*e Regisseur*in und eine Produktionsfirma gewürdigt, die kreativ innovative Wege gehen und/oder gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen.
Die Jurymitglieder waren Silvia Posavec (Schweiz), Marina D. Richter (Österreich) und BVMJ-Mitglied Rolf-Rüdiger Hamacher (Deutschland)
